Freiwillige unterstützen die Offenhaltung wertvoller Almflächen: Biosphären-Schwenden auf der Reiteralpe: Einsatz für die heimische Landwirtschaft, Birkhühner und die Artenvielfalt

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Freiwillige beim Alm-Schwenden auf der Reiteralm

Mitte September organisierte die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land erstmalig eine dreitägige Freiwilligenaktion auf der Reiteralpe. So entfernten Landwirte, die Biosphären-Schutzgebietsbetreuenden und 12 Freiwillige unerwünschten Gehölzaufwuchs in festgelegten Bereichen und unter Beachtung der geltenden Schutzbestimmungen, wie sie etwa für Naturwälder zutreffen. „Durch die Schwendaktion konnten wir Verbindungswege zwischen den Almwiesen und offene Strukturen auf den Almflächen erhalten – wichtig für die Almwirtschaft, die Artenvielfalt und im Speziellen auch für die Birkhühner auf der Reiteralpe“, erklärt Luis Frank von der Biosphären-Verwaltungsstelle.

Die Reiteralpe liegt innerhalb des Natura 2000-Gebiets „Nationalpark Berchtesgaden“ und außerhalb des Nationalparks in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Aufgrund ihrer Lage bildet sie ein wichtiges Verbindungsstück zwischen dem Nationalpark und weiteren naturschutzfachlich hochwertigen Gebieten. Für das Gebiet liegt ein FFH-Managementplan vor. Dieser beschreibt das Vorgehen zum Schutz von Pflanzen und Tieren, im Speziellen auch Maßnahmen für die dort vorkommende Birkhuhn-Population. So waren der Biosphären-Schwendmaßnahme Abstimmungen mit der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde, der Bundeswehr, den Bayerischen Staatsforsten, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie der Nationalparkverwaltung vorausgegangen.

In den vergangenen Jahrzehnten nahm die Zahl der auftreibenden Almbäuerinnen und Almbauern sowie der Rinder auf der Reiteralpe deutlich ab. Dadurch kam es zu einer zunehmenden Verbuschung vieler Almflächen. Verstärkt wird diese Entwicklung durch den Temperaturanstieg in den Alpen und die damit verbundene längere Vegetationsperiode. Mit dem Verlust der offenen Flächen gehen auch wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen, Insekten sowie zahlreiche Vogel-, Amphibien-, Reptilien- und Säugetierarten verloren. Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist es wichtig, offene Bereiche zu schaffen, um die nötigen Lebensraumbedingungen für Birkhuhn und Co. zu sichern. Das Birkhuhn steht in Bayern auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere und gilt als vom Aussterben bedroht. Die Art ist auf wenig frequentierte und mosaikartig strukturierte Lebensräume im alpinen Gelände angewiesen. Almwiesen, Zwergstrauchheiden, lichte Wälder und Hochstaudenfluren bieten geeignete Bedingungen für Balz, Brut und Kükenaufzucht.

Genau hier setzt das sogenannte Schwenden an, bei dem unerwünschter Gehölzaufwuchs entfernt wird. Da die teilweise steilen und schwer zugänglichen Flächen nicht mit Maschinen bearbeitet werden können, ist dabei Handarbeit erforderlich. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer unterstützten die Landwirtinnen und Landwirte bei dieser aufwendigen Tätigkeit. Durch die Aktion entstanden wichtige Verbindungen zwischen den verschiedenen Almwiesen. Die Rinder tragen künftig dazu bei, diese Flächen offenzuhalten. Zudem blieben halboffene bis offene Strukturen erhalten, die für das Birkhuhn und viele weitere Arten von großer Bedeutung sind. Gleichzeitig werden die Almwiesen als artenreiche Kulturlandschaft und als wichtige Produktionsgrundlage für die Almwirtschaft bewahrt.

Bei dem dreitägigen Einsatz kamen neben der praktischen Arbeit auch der Austausch und das gesellige Beisammensein nicht zu kurz. Die Schutzgebietsbetreuenden von der Biosphären-Verwaltungsstelle erläuterten den Freiwilligen ökologische Zusammenhänge, die Bedeutung der Maßnahmen und die Ziele, die mit der UNESCO-Auszeichnung des Landkreises Berchtesgadener Land als Biosphärenregion verbunden sind. Ein großer Dank gilt allen beteiligten Projektpartnern, insbesondere den Landwirtinnen und Landwirten sowie den tatkräftig anpackenden Freiwilligen. Maßgeblich unterstützten die Aktion auch die DAV-Sektion Traunstein, die den Helfenden die kostenfreie Übernachtung auf der Neuen Traunsteiner Hütte ermöglichte, und die Wehrtechnische Dienststelle der Bundeswehr durch die kostenfreie Nutzung der Seilbahn. Für den langfristigen Erfolg der Maßnahme sind in den kommenden Jahren weitere Aktionen erforderlich.

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