Alte Getreidesorten

Ökologische und genetische Vielfalt

Die Biosphären-Verwaltungsstelle fördert, auch ausgehend vom  Biosphären-Getreidegarten, den Anbau von alten, alpinen Landsorten. So werden etwa Laufener Landweizen, Binkel und Berchtesgadener Vogel wieder auf landwirtschaftlichen Flächen  angebaut und durch eine Verarbeitung in der Region inwertgesetzt. Alte Getreidesorten haben einen hohen ökologischen und genetischen Wert. Durch ihren hohen und lichten Wuchs bieten sie auch hervorragende Lebensbedingungen für Ackerwildkräuter. 

Vom Verschwinden und Inwertsetzen alter Getreidesorten

Mit der fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft und auch der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte ist die Vielfalt der Speisepflanzen für die menschliche Ernährung in den letzten 100 Jahren stark zurückgegangen: Seit Beginn der Landwirtschaft vor etwa 11.000 Jahren von etwa 7.000 auf heute nur noch rund 150 Arten. Etwa 75 % der Ackerfläche in Deutschland werden von nur 5 Kulturen geprägt – Weizen, Gerste, Mais, Raps und Roggen. Hierbei sind wiederum auf Grund der deutschen Saatgutgesetze nur eine beschränkte Anzahl an Sorten im Anbau. Zu den alten Getreidesorten zählen, neben den Ur-Getreidearten Einkorn, Emmer und Dinkel, auch einzelne Sorten, z.B. von Weizen. Man spricht dabei von Landsorten – genetisch uneinheitliche Formen, die durch langandauernde natürliche Selektion in einem eng umrissenen Gebiet entstanden sind.

Im Erhalt des alten Genpools  verbirgt sich eine große Chance: Unentdeckte Resistenzen gegen Krankheiten oder gute Anpassungen im Hinblick auf den Klimawandel könnten in den alten Getreidesorten  verborgen sein und dazu beitragen, neue Sorten zu entwickeln. Alte Getreidesorten erhöhen die biologische Vielfalt auf dem Feld und haben als Grundlage für viele regionaltypische Produkte auch einen landeskulturellen Wert. Ihr Erhalt funktioniert dann, wenn sie durch regionale Wertschöpfung von der Landwirtschaft über die Verarbeitung und Handel bis zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern wertgeschätzt werden. Hier setzt die Biosphären-Verwaltungsstelle wichtige Impulse.

 

Biosphären-Getreidegarten

SaatGutVielfalt bewahren, vermehren, entwickeln

Unter dem Motto „Wir sind Schatzbewahrer“ hat es sich die Biosphären-Verwaltungsstelle gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten zur Aufgabe gemacht im Biosphären-Getreidegarten in der Gemeinde Saaldorf-Surheim alte Kultur- und Getreidesorten zu erhalten. In Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft konnten alte, alpine Getreidesorten in die Region zurückgeholt und vermehrt werden. 

Laufener Landweizen

Laufener Landweizen

Der Laufener Landweizen ist eine alte Winterweizensorte aus der Grenzregion Rupertiwinkel und Salzburger Alpenvorland, benannt nach der Stadt Laufen an der Salzach. Er war die erste alte Landsorte im Berchtesgadener Land, die vor gut 20 Jahren wiederentdeckt und durch grenzüberschreitende Projekte in Anbau, Verarbeitung und Vermarktung zurückgeholt werden konnte. Heute gibt es ein Netzwerk von Bio-Höfen und verarbeitenden Betrieben, die sich für den Erhalt dieser Sorte einsetzen. Mit dem Kauf von Laufener Landweizen Produkten, gelingt es, einen ökologischen, genetischen und kulturellen Wert zu bewahren.

Berchtesgadener Vogel

Im Jahr 2018 konnte der Berchtesgadener Vogel, eine alte Winterweizensorte, mit nur drei Kilogramm durch den Anbau im Biosphären-Getreidegarten in das namengebende Berchtesgadener Land zurückgeholt werden. Nach zwei Jahren Wiedervermehrung wurde er auf zwei Bio-Betrieben ausgesät und wird seit 2022 im Biosphären-Produkt „Bio Alpen Korn“ verarbeitet. Der Berchtesgadener Vogel ist eine Landsorte, die rund 1,50 Meter hoch wächst und Ackerwildkräutern hervorragende Lebensbedingungen bietet. Im Jahr 2022 wurde der Berchtesgadener Vogel von der Biosphären-Verwaltungsstelle zudem als Erhaltungssorte zugelassen. 

Binkel

Binkel

Im Rahmen des im Januar 2021 gestarteten Kleinprojekts „Urgetreide Binkel – Chancen für die Rekultivierung einer historischen Getreideart des Voralpen- und Alpenraum“ befasste sich die Biosphären-Verwaltungsstelle gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Genbank Tirol und dem UNESCO-Biosphärenpark Salzburger Lungau mit der „Wiederbelebung“ des Binkels. Heute als ganz besondere Rarität bezeichnet, war der Binkel, auch Zwergweizen oder Pfahlbauweizen genannt, einst weit in der Region verbreitet.

Steiners Roter Tiroler Dinkel

Der Steiners Roter Tiroler Dinkel wurde 2018 im Biosphären-Getreidegarten angebaut, dort zwischenvermehrt und seit 2020 auf Bio-Betrieben in kleinem Maß angebaut. Es handelt sich um eine rote Dinkelsorten, die früher häufig in alpinen Gebieten angebaut wurde. Künftig wird er von heimischen Bäckereien im „Berchtesgadener Land Brot“, einem zertifizierten Biosphären-Produkt, verarbeitet. 

Getreidekörner in der Hand

Ackerwildkräuter

Farbige Begleiter von großem Wert

In der Biosphärenregion werden heimische Ackerwildkräuter vermehrt und auf Getreidefeldern von Bio-Höfen wieder ausgebracht. Ackerwildkräuter haben einen hohen ästhetischen und ökologischen Wert: Sie bieten Nahrung und Lebensraum für viele Insekten, sind ein wichtiger Teil im Biotopverbund und tragen zu einer Verbesserung der Bodenstruktur bei. Alte Getreidesorten bieten durch ihren lichten Wuchs hervorragende Voraussetzungen für die Wiederansiedelung von Ackerwildkräutern.

Portrait Karin Heinrich

Ihre Ansprechperson

Karin Heinrich

Nachhaltige Regionalentwicklung und umweltgerechte Landnutzung

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