Totholz
Warum ist Totholz wichtig für die Natur?
Totholz ist nicht tot. Es lebt! Zahlreiche Tiere wie Insekten, Säugetiere und Amphibien, aber auch Moose und Pilze finden hier einen wertvollen Lebensraum, von dem das Überleben und Bestehen oft bedrohter Arten abhängig ist. Unsere Kulturlandschaft weist meist nur geringe Totholzstrukturen für spezialisierte Arten auf. Die Bestände dieser Arten gingen daher in den letzten Jahren stark zurück.
Etwa ein Viertel aller Käferarten ist auf Totholz angewiesen. Für Prozesse wie Bodenbildung, Zersetzung von organischem Material und als Teil der Nahrungskette sind sie nicht zu ersetzen. Trotz kleiner Körpergrößen tragen sie aufgrund ihrer Vielfalt zur Biodiversität, und ihrer Anzahl erheblich zur Biomasse der Insekten bei. Für viele Säugetiere und Vogelarten gelten Käfer als wichtige Nahrungsquelle. Zudem bietet Totholz wichtige Schutz-, Überwinterungs- und Nistplätze. Sowohl stehendes als auch liegendes Totholz kann potenzielle Winterquartiere bieten, wie etwa für den seltenen und gefährdeten blauen Laufkäfer (Carabus intricatus).
Welche Vorteile entstehen durch Totholz?
Belebtes Totholz wird im Laufe der Zeit abgebaut und zersetzt, wodurch die anstehende Bodenschicht mit Humus angereichert wird. Infolgedessen werden neben der Erhöhung des Nährstoffgehalts auch die Struktur und Wasserspeicherfähigkeit im Boden verbessert. Totholzhaufen reduzieren vor allem in Hanglagen die Bodenerosion und schützen vor Austrocknung.
Anlage eines Totholzhaufens – so funktioniert’s
Bei Pflegearbeiten im eigenen Garten fallen oftmals verholzte Pflanzenabschnitte von Bäumen oder Sträuchern an. Diese können nachhaltig im eigenen Garten zu einem Totholzhaufen aufgeschichtet und so die natürlichen Kreisläufe erhalten werden.
- Standort: Totholzhaufen sollten in ruhigen Ecken angelegt werden, fern von ständig genutzten Wegen, damit angesiedelte und störungsempfindliche Arten nicht unnötig beeinträchtigt werden.
- Bodenverhältnisse: Leicht feuchte und gut durchlässige Böden unterstützen die Zersetzung, Lehmböden sollten daher gemieden werden. Um Staunässe vorzubeugen, sollte der Boden zuvor aufgelockert und eine geringe Schicht aus Laub oder Rinde von etwa 3-5 cm aufgebracht werden.
- Lichtverhältnisse: Es eignen sich halbschattige bis schattige Standorte.
- Achtung: Sämtliche Bestandteile müssen unbedingt Schadstofffrei sein!
- Größe: Die ideale Größe hängt vom verfügbaren Platz ab. Etwa 1–2 m³ Haufenvolumen können bereits sinnvoll sein.
- Grundstruktur: Die Struktur sollte lose und mehrlagig sein. Grobe Äste bilden die Basis. Darauf werden dann mittelgroße Äste und schließlich kleinere Zweige und Laub geschichtet. Die Struktur sollte stabil, aber durchlässig bleiben, damit Luft zirkulieren kann.
- Stabilität: Es empfiehlt sich eine leicht schiefe, verschachtelte Anordnung, damit Luft zirkulieren kann. Falls nötig können Holzplatten genutzt werden, um die Form zu halten, ohne den Haufen zu verstopfen. Zuletzt kann eine Schicht aus Laub aufgebracht werden.
- Zugänge für Tiere: Öffnungen sorgen dafür, dass Tiere wie Käfer, Spinnen und Igel hinein- und herauskommen können. Eine lose oberste Schicht aus Laub oder Rinde zieht Regenwürmer an und bietet einen verbesserten Schutz hinsichtlich des Unterschlupfes und Winterquartier.
- Pflege und Beobachtung: Der Haufen braucht Zeit, daher ist Geduld gefragt. Die oberste Laubschicht kann bei Bedarf nach einigen Jahren erneuert werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass nicht zu viel Laub aufgebracht wird, welches wiederrum die Luftzirkulation innerhalb des Totholzhaufens beeinträchtigen könnte.
Benötigte Materialien und Geräte:
- Schadstofffreie Äste und Stämme unterschiedlicher Art und Größe
- Optional zur Stabilisierung: Holzplatten oder Schachteln
Zusätzliche Hinweise und Tipps:
- Artenvielfalt: Unterschiedliche Holzarten und -größen erhöhen die Biodiversität.
- Langfristigkeit: Totholz braucht Zeit – es ist kein „Schnellrezept“, sondern ein natürlicher Bestandteil eines ausgewogenen Gartens, der über Jahre hinweg Lebensräume schafft.
- Baumfällung: Werden größere Bäume gefällt, kann der Baumstumpf durch mehrere Einschnitte im oberen Bereich absterben. Hierdurch kann nicht nur die aufwendige Entfernung eingespart, sondern auch ein wertvoller Beitrag für zusätzliche Totholz-Strukturen geschaffen werden.
Ihre Ansprechperson
Luis Frank
Landschaftsökologie und Biodiversität, Biosphären-Schutzgebietsbetreuer