Pionierstandorte
Warum sind Pionierstandorte wichtig für die Natur?
Was hat ein Erdhaufen mit Biodiversität zu tun? Sehr viel! Durch das Abgraben und Aufschütten von Bodenmaterialien, welche bei Bauarbeiten oder Gartenarbeiten anfallen, entstehen temporäre, offene Standorte, die von den sogenannten Pionierpflanzen bewachsen werden. Diese verschwinden, sobald der Bewuchs zu dicht wird oder wieder ein Stück Erde abgegraben und anderswo verwendet wird. Pionierstandorte werden in kürzester Zeit von Bodenlebewesen und Insekten wie etwa der dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) angenommen. Diese besondere Dynamik im Zusammenhang mit dem speziellen Habitat ist daher aufgrund ihrer Seltenheit essenziell für spezialisierte Arten.
Welche gärtnerischen Vorteile entstehen durch Pionierstandorte?
Boden und Nährstoffkreisläufe werden mit Hilfe des angehäuften Bodens geschützt. Zusätzlich speichert dieser mehr Wasser, fördert Mikroorganismen und die Humusbildung. Darüber hinaus können Erdhügel oder Aufschüttungen natürliche Barrieren gegen Bodenerosion darstellen.
Anlage eines Pionierstandorts – so funktioniert’s
- Standortwahl: Idealerweise wird die Topographie genutzt, die bereits vor Ort ist, zum Beispiel erkennbare Hügelzüge.
- Vielfältige Strukturgestaltung: Erdhügel mit unterschiedlichen Höhen, Flanken und offenen Stellen erhöhen die Biodiversität, ebenso in Verbindung mit einem Krautsaum, Totholz- und Steininseln in der Umgebung.
- Pflege & Nutzungsmanagement: Rotierende Nutzungsarten siedeln sich im zeitlichen Verlauf je nach Standortbedingungen an. Die Verwendung von „überschüssigem“ Oberboden in bestimmten Zeitintervallen schafft neue Abbruchkanten und somit Habitate. Durch die Nutzung und die damit einhergehende Habitatveränderung entstehen eben diese Dynamiken, welche den Baustein „Pionierstandort“ im Ökosystem so wertvoll machen.
Ihre Ansprechperson
Luis Frank
Landschaftsökologie und Biodiversität, Biosphären-Schutzgebietsbetreuer