Urgetreide Binkel

Ein Kleinprojekt zur Rekultivierung

Im Rahmen des im Januar 2021 gestarteten INTERREG-Kleinprojekts „Urgetreide Binkel – Chancen für die Rekultivierung einer historischen Getreideart des Voralpen- und Alpenraum“ befasste sich die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Genbank Tirol und dem UNESCO-Biosphärenpark Salzburger Lungau mit der „Wiederbelebung“ des Binkels. Damit ist es nach dem Laufener Landweizen-Projekt die zweite Forschungsarbeit in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, die sich mit alten Getreidearten und deren Potenzial beschäftigte. Heute als ganz besondere Rarität bezeichnet, war der Binkel, auch Zwergweizen oder Pfahlbauweizen genannt, einst weit in der Region verbreitet. Das Projekt fand am 30. April 2022 seinen Abschluss.

Heute als ganz besondere Rarität bezeichnet, war der Binkel, Triticum aestivum subsp. compactum oder auch Zwergweizen oder Pfahlbauweizen genannt, einst weit in der Region verbreitet. Dieses Urgetreide ist nach Einkorn und Emmer die drittälteste Weizenform und wurde in einigen Salzburger Gebirgstälern und im Chiemgau bis in die 1950er Jahre angebaut. Proben vom Binkel wurden in Genbanken aufbewahrt. Die Genbank Tirol und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft haben Binkelakzessionen aus der Sammlung von Erwin Mayr und der Landesanstalt für Pflanzenzucht und Samenprüfung in Rinn bei Innsbruck im Rahmen der Erhaltung autochthoner landwirtschaftlicher Kulturpflanzen aus der Genbank geholt und wieder angebaut. Im Biosphären Getreidegarten wurde 2021 auf ca. 1000 qm die Sorte Tiroler Früher Binkel angebaut. Die Ernte konnte zur weiteren Vermehrung des Binkels in 2022 einem Bio-Landwirt zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst 2022 erhielt die Biosphären-Verwaltungsstelle von der Landesanstalt für Landwirtschaft für den Biosphären-Getreidegarten vier Kilogramm des Winterbinkels TRI 3724.

Das Projekt umfasste folgende Inhalte:

  • Agrarhistorische Recherche
  • Versuchsanbau von bis zu 30 Binkel-Akzessionen aus dem Erhaltungssortiment der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Genbank Tirol auf Versuchsflächen der LfL in Ruhstorf a.d.Rott und der Genbank Tirol bei Innsbruck zur Beschreibung agronomischer Parameter wie Pflanzeneigenschaften, Krankheits- und Lageranfälligkeit sowie Ertragskomponenten
  • Für ausgewählte Binkel-Akzessionen wurde an der Genbank Tirol das Tausendkorngewicht, hl-Gewicht, Siebungen und die Keimfähigkeit bestimmt. Das LfL Backlabor untersuchte 10 Akzessionen auf ihre Backeigenschaften
  • Ausarbeitung von Marketing-Grundlagen zur Sensibilisierung und Bekanntmachung des Binkels inkl. Erstellung eines Empfehlungsleitfadens
  • Abschlusspräsentation mit Empfehlung für Landwirte/Landwirtinnen, Müller/Müllerinnen, Bäcker/Bäckerinnen, Konsumenten/Konsumentinnen und Präsentation aufbereiteter Marketinggrundlagen

Biosphären-Getreidegarten

Unter dem Motto „Wir sind Schatzbewahrer“ hat es sich die Biosphären-Verwaltungsstelle zur Aufgabe gemacht im Biosphären-Getreidegarten in der Gemeinde Saaldorf-Surheim alte Kultur- und Getreidesorten zu erhalten.  In Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft konnten alte, alpine Getreidesorten in die Region zurückgeholt und vermehrt werden. 

Folgende Projektziele wurden verfolgt:

  • Definition und Identifikation von Binkel-Akzessionen und ihre agronomische Beschreibung
  • Ernährungs-, verträglichkeits- und verarbeitungsrelevante Analyse der Inhaltsstoffe des Binkels zur Erhebung des zu erwartenden gesundheitlichen Mehrwerts
  • Sicherung des ökologischen Anbaus der gefährdeten Kultursorte Binkel, d.h. Informationen für Landwirte/Landwirtinnen, Müller/Müllerinnen und Bäcker/Bäckerinnen sowie Verbraucher/Verbraucherinnen zur Rekultivierung

Mit einer Rekultivierung des „Urgetreides Binkel“ kann für das Gebiet der EUREGIO Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein zusammen mit dem Gebiet der EUREGIO Inntal  eine botanische Attraktion entstehen und ein Beitrag zur alpinen Agrobiodiversität geleistet werden. Ein einzigartiges regionaltypisches Natur- und Kulturerbe mit gesundheitlichem Mehrwert bleibt dauerhaft erhalten und kann somit grenzüberschreitend touristisch genutzt werden.
Mit den bereits etablierten Landsorten Laufener Landweizen, Lungauer Tauernroggen, Berchtesgadener Vogel und Steiners Roter Tiroler Dinkel ist die Region bereits jetzt auf dem Weg „Botschafter für Nachhaltigkeit und biologische Vielfalt“ zu werden – die erfolgreiche Wiedereinführung des Binkels als echtes Urgetreide schafft ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für den Grenzraum Bayern-Salzburg-Tirol.

Portrait Karin Heinrich

Ihre Ansprechperson

Karin Heinrich

Nachhaltige Regionalentwicklung, umweltgerechte Landnutzung, Öffentlichkeitsarbeit

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